Informationen zu den Vorträgen – wird laufend ergänzt

 

Die Familie – Lebens- und Liebesgemeinschaft

Prof. Antonio López FSCB | Kanzler und Dekan des Pontifical John Paul II Institute for Studies on Marriage and Family, Catholic University of America, Washington

Unsere Erfahrung menschlicher Beziehungen in den gegenwärtigen Kulturen lässt viele Fragen in uns zurück: Kann man einer anderen Person sagen "Gott hat dich mir gegeben"? Ist es wirklich möglich, eine andere Person aufzunehmen, sie Teil von mir selbst sein zu lassen? Kann man sich wirklich einer anderen Person hingeben, ohne sich selbst zu verlieren? Hat hochzeitliche Liebe eine andere Bedeutung als die Gefühle, die die Brautleute empfinden, oder die Festlegungen, die die zeitgenössische Kultur oder juristische Systeme treffen? Ist es so, dass geboren zu werden, eine bräutliche Beziehung zu leben und Vater oder Mutter zu sein, nicht nur vorübergehende Handlungen sind, deren Sinn letztlich zweitrangig bleibt gegenüber unserer Identität als für sich selbst stehende Individuen? Wenn alle diese Fragen negativ oder mit nur zögernder Zustimmung beantwortet werden, dann werden wir mit dem Zweifel zurückgelassen, ob das Fleisch gewordene menschliche Leben und die Liebe ohne eine in ihnen selbst wohnende Bedeutung oder Wahrheit sind. Was ist aber dann die Grundlage, die positive Antworten auf diese Fragen aufzeigen könnte?

 

Mit dem ganzen Körper lieben –
 nicht nur als Paar


Dr. Teresa Suárez del Villar
 | Centro Raíces, Madrid/Spanien

„Ich meine, dass wir drei Dimensionen in ihrer ganzen Fülle leben müssen, damit das Leben wirklich lebendig, interessant, nützlich, groß und glücklich ist. 

Erstens: die Erfahrung, zutiefst geliebt zu sein, und die Gewissheit, für immer bevorzugt zu sein. Zweitens: die Erfahrung des Bewusstseins, Hauptakteure bei der Veränderung der Welt zu sein; wir wirken persönlich daran mit, sie zu verbessern. Und drittens: die Erfahrung der Vaterschaft/ Mutterschaft. 

Diese drei großen Geschenke zu leben, dazu ist jeder Mensch berufen. Verheiratete, zur Jungfräulichkeit Berufene und Singles.“ 

 

Die erneuernde Kraft 
 der Vergebung


Carla Bonifati und Pio Barletta | Castrovillari/Italien

Das Ehepaar Bonifati-Barletta erzählt seine Lebenserfahrung: wie kam es zu der krisenhaften Zuspitzung nach etlichen Jahren der von beiden so sehr ersehnten Ehe? Welches waren die Faktoren und die persönlichen Schritte, die es schließlich ermöglichten, wieder zueinander zu finden? Was bedeutet der gemeinsam gegangene Weg für das neue Zusammenleben?

Und welche Rolle spielt der Glaube und die Zugehörigkeit zur Kirche dabei?

 

Lockender Unterschied – im Spannungsfeld von Mann und Frau

Prof. Dr. Hanna-Barbara 
Gerl-Falkovitz | Technische Universität Dresden

Liebe ist unvergleichlich fordernder, wenn sie nicht nur auf ein anderes Ich, sondern auf das andere Geschlecht trifft – auf dessen unergründliche Entzogenheit, bis ins Leibliche, Seelische, Geistige hinein. Diesen Unterschied der Geschlechter auszuhalten, vielmehr sich in ihn hineinzubegeben und hineinzuverlieren, erfordert Mut. Vielleicht ist wirklich nur die Liebe im Sinn von Tollkühnheit fähig, sich überhaupt einzulassen auf das wirklich Andere und sich nicht nur selbst zurückzuspiegeln: Die Frau ist bleibendes Geheimnis für den Mann und umgekehrt.

 

Die Komplementarität zwischen Mann und Frau

Prof. Wael Farouq
 | Kath. Universität Mailand/Italien

In der Arabischen Sprache und im Koran werden "Ehemann", "Ehefrau" und "Ehepaar" alle mit dem gleichen Wort "zawj" bezeichnet. Es bedeutet "zwei Personen, die voneinander unterschieden, jedoch aneinander gebunden sind; sie können ohne einander nicht sein."

Prof. Farouq spricht über die Komplementarität zwischen Mann und Frau unter Einbeziehung der arabischen Sprache und des Korans. Er ergänzt dazu Beobachtungen über das aktuelle Zusammenleben zwischen Christen und Muslims in Europa, insbesondere hinsichtlich des Wunsches der Menschen, den Wert der Familie leben zu können.

 

Die muslimische Ehe verstehen

Dr. Suzy Ismail | New Jersey

Die muslimische Ehe ist möglicherweise sowohl unter Muslimen als auch Nicht-Muslimen einer der am meisten missverstandenen, im religiösen Bekenntnis gründenden Verträge. Umgeben von kulturellen Missverständnissen wie arrangierten Ehen und Polygamie, die außerhalb sehr spezieller Umstände ungültig sind, und voller falscher Konzepte von Kinderehe und weiblicher Unterdrückung, wurde die muslimische Ehe von Medien und durch kulturelle Zwänge aus dem Kontext genommen und verzerrt. Das Fundament der muslimischen Ehe gründet auf der Liebe zwischen Mann und Frau um Gottes Willen. Diese Liebe wird mit Fürsorge und Gnade gefestigt und ist im Koran entsprechend als eine Beziehung beschrieben, in der zwei Menschen einander bedecken wie Kleider. Die Schönheit der muslimischen Ehe liegt darin, dass sie eine Beziehung von gleichen Rechten und Pflichten sein muss, die gelebt wird, um Gott und somit unvermeidlich auch sich selbst zu gefallen. Die spirituelle Verbindung zwischen Mann und Frau im Islam übersteigt die Grenzen des Irdischen und entwickelt sich zu einer Beziehung, die den beiden erlauben soll näher zueinander zu finden, in dieser Welt und der nächsten.

 

Neues Vertrauen schaffen – Das interkulturelle Zusammenleben in Europa

Prof. Javier Prades | Rektor der Universität
 San Damaso, Madrid

Die kulturellen, anthropologischen und religiösen Wurzeln der Krise in den pluralen Gesellschaften des Westens sind nach Meinung von nicht wenigen Analysten verschiedenartig und tiefgreifend. Sie tragen zu einem fortschreitenden Verlust an Vertrauen sowohl in öffentliche Institutionen als auch in zwischenmenschliche Beziehungen bei. Die Schwierigkeiten brauchen aber kein Hindernis zu sein. Sie können zur Gelegenheit eines Neubeginns für diejenigen werden, die in tieferer Weise die Natur der Herausforderung erfassen, vor der wir in Europa heute stehen; wir leben in einem Augenblick, in dem die Interkulturalität zu einem entscheidenden Merkmal des Zusammenlebens geworden ist. Wer könnte uns neues Vertrauen geben, damit wir arbeiten, eine Familie gründen, eine gerechtere Gesellschaft für alle aufbauen können? Und auf welche Weise kann das geschehen? Das aus dem Evangelium hervorgehende Verständnis von der menschlichen Erfahrung könnte erneut einen Beitrag für die Zukunft Europas leisten.